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14.11.2011, 07:00 Uhr Übersicht | Drucken
„Tacheles“ - Bahnprojekt Wendlingen – Ulm / Stuttgart 21- Der Anschluss an die Zukunft
Podiumsdiskussion - Viele Punkte sprechen dafür

Letzten Donnerstag, 10. November 2011, fand innerhalb der Serie "Tacheles" eine Podiumsdiskussion zum Thema "Bahnprojekt Wendlingen – Ulm / Stuttgart 21- Der Anschluss an die Zukunft" statt, zu der Ivo Gönner als Ulmer OB stellvertretend für die Stadt Ulm sprach, ebenso wie Heinz Seiffert, Landrat für den Alb-Donau-Kreis, die Direkt-Vertreterin für den Ulmer Wahlkreis Dr. Monika Stolz sowie der Vertreter für die Wirtschaft des Kreises der Präsident der IHK Ulm, Dr. Peter Kulitz. Von der fachlichen Seite war der ehemalige DB-Planungsingenieur Manfred Poetke geladen,


der eindrucksvoll vorweg die gesamte Planung als auch viele Details zur Strecke Ulm-Stuttgart als auch zum Bahnhof selbst erläuterte. Moderiert wurde der Abend durch den Regionalchef der Südwest Presse Willi Böhmer.
 
Mit ca. 130 Gästen waren die beiden Nebenzimmer der Lixpark-Gaststätte maximal belegt. Neben vielen Befürwortern waren aber auch Gegner des Projekts anwesend, so dass es zeitweilig zu emotionell erregten Diskussionen kam, die von Willi Böhmer geschickt eingefangen und wieder zum Fortlauf der gemeinsamen Diskussion geführt wurden.  
Die Podiumsgäste erwähnten verschiedentlich, dass die Planungen über15 Jahre hinweg über alle Instanzen erfolgt war, mit mehreren Gerichtsverfahren aber auch Bürgerbeteiligungen und der Möglichkeit, Einsprüche geltend zu machen, die nach Möglichkeit  bei der Umsetzung der Planungen berücksichtigt werden. Sodann mündete dies in Verträge, die mit dem Land Baden Württemberg geschlossen würden. Dr. Monika Stolz wies explizit darauf hin, dass weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus dieses Projekt weltweite Aufmerksamkeit erfährt, insbesondere bei Investoren aus dem Ausland, die zum einen beobachten, was letztendlich daraus wird, daraus aber auch rückkoppeln, wie zuverlässig einmal geschlossene Verträge sind, wenn diese, wie in diesem Fall, trotz anderer Rechtslage dann im Nachgang gekündigt würden.
Ivo Gönner wies als Rechtsanwalt darauf hin, dass in diesen Verträgen keine Ausstiegsmöglichkeiten der Vertragspartner definiert sind. „Denken Sie einmal zurück, welche Anstrengungen die Stadt Ulm und Region unternommen hat, dass die Schnellbahntrasse weiterhin an Ulm angeschlossen ist und nicht wie ursprünglich geplant, viel weiter nördlich an uns vorbeiführt.“ Die Auswirkungen für die hiesige Wirtschaft als auch den Standort wären fatal.
Heinz Seiffert appellierte an die Anwesenden, dass es endlich an der Zeit wäre, dass Baden Württemberg sich wieder etwas von dem Geld zurückholt, was sie Jahr für Jahr treu und brav über den Länderfinanzausgleich an andere zahlten, die ihre Vorhaben mit unserem Geld umsetzen. „Wenn wir durch einen Rückzug aus dem Projekt auf diese Mittel quasi verzichten, haben sich bereits andere dafür gemeldet um ihre Projekte umzusetzen, sei es Mannheim oder Berlin, um nur 2 zu nennen. Diese dann nicht verbauten Mittel können nicht für andere Belange wie Kindergärten, Schulen oder ähnliches „zweckentfremdet“ werden, da diese aus dem Topf „Verkehr“ fliesen und damit eben anderen Projekten zugute kommen.“ Es blutet ihm das Herz, wenn er nur daran denkt, wie lange er selbst schon gekämpft hat, dass Geld nach Baden Württemberg fließt. Außerdem ist er davon überzeugt, dass jeder an dem Projekt partizipiert, egal ob der Anwohner auf dem Land, der weniger Lärm ertragen müsste mit der neuen Trasse oder auch die anwohne hier in der Region, da es sich nachher nicht mehr lohnen werde, mit dem Auto zum Flughafen zu fahren, da die Fahrzeit mit der Bahn dahin erheblich kürzer seien und dazu hin noch das Parkgeld am Flughafen gespart werden könnte.
Dr. Peter Kulitz, Präsident der IHK berichtete von sehr vielen Gesprächen, die er in dieser Sache mit vielen Beteiligten des Projektes, darunter mehrfach mit dem Bahnchef Dr. Rüdiger Grube aber auch mit Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, der ihm kurz vor der Diskussion in Blaustein die Zusage für die Elektrifizierung der Südbahn (Ulm-Ravensburg) zugesagt habe, was bislang immer in Abrede gestellt wurde, weil die Investitionen für S21 zu hoch wären. Er hob hervor, dass das Teilstück Wendlingen - Ulm extrem wichtig wäre, da es ein wichtiges Bindeglied ist für die Verbindung Paris – Budapest, da man durch den Albaufstieg, der derzeit mit max. 70km/h befahren werden könnte, enorm Zeit verliert.
Die Gegner äußerten Bedenken bezüglich der Verknüpfung von guten Projekten wie Wendlingen – Ulm mit dem schlechten Tiefbahnhof Stuttgart und wollten dies auch in einem Atemzug gehört haben mit der freiwerdenden Fläche durch das verschwinden des Gleisbettes, die dann sowohl städtebaulich als auch zur Erweiterung des jetzigen Schloßparks dienen sollen und zur Schönung des Ganzen herhalten müsste.  Ebenso wurde mehrfach die Kostenexplosion angesprochen, sogar mit (nicht belegbaren) Zahlen in Höhe von 2,5 Mrd. beziffert wurde.
Sowohl Frau Dr. Stolz, wie Herr Seiffert als auch Dr. Kulitz erläuterten hierzu, dass zum Einen ein gewisser Puffer für Teuerungen bereits im Gesamtbudget vorgesehen sind, da 8 Jahre Bauzeit keiner exakt vorausplanen kann und während solchen Laufzeiten zwangsläufig Teuerungen zu planen sind, des weiteren trotz der ganzen Probebohrungen auch mit dem ein oder anderen Hindernis, besonders beim Bau der Tunnel, zu rechnen ist. Die bislang durchgeführten Maßnahmen lägen allesamt etwas unter der dafür vorgesehenen Kosten. „Das sind keine Riesenbeträge, die übrig sind, aber es verdeutlicht sehr gut, dass es derzeit keine Hinweise auf Nichteinhaltung der geplanten Kosten gebe.“
Obwohl es sicherlich noch reichlich Diskussionsstoff gegeben hätte, beendete Willi Böhmer als Moderator die Podiumsdiskussion um 22 Uhr: „Die enorme Auslastung des Raumes sorgt schon allein wegen der Sauerstoffverknappung für ein pünktliches Ende. Weitere Diskussionen können sicherlich noch im Anschluss im kleinen Kreis fortgeführt werden.“


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